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Wenn sich bei uns Menschen über die Rasse informieren, kommt es
auch immer wieder zu der Frage, ob Yoda und ich aus der
„Arbeitslinie“ kommen, weil wir im Turnierhundesport aktiv sind.
Klar würden wir gerne damit angeben, dass unsere Ahnen seit
Generationen diesbezüglich stets die Besten waren, aber das
würde halt leider nicht stimmen.
Beschäftigt sich nämlich mal einer genauer mit der Zucht in
Deutschland, so stellt er schnell fest, dass bei der geringen
Zahl unserer Zuchttiere und deren wenigen Welpen die jährlich
geboren werden, ja noch keinerlei „Sport-, Arbeits-, Schönheits-
oder Showlinien“ heraus gezüchtet werden konnten.
Nönö, die genetische Grundsubstanz ist bei uns Gossos also mehr
oder weniger gleich. Der Besitzer entscheidet letztendlich, was
bei seinem Catalanen ausgeprägt wird und wo er denn erfolgreich
sein kann. Wir z.B. schuften hauptsächlich auf dem Hundeplatz,
weil Herrchen zu faul ist uns für den Ring ordentlich zu Recht
zu machen und sich auch eher mit Kraft- statt mit Ringtraining
auskennt. Die Schönheiten unter den Catalanen sind deshalb
keineswegs unsportlich oder verweigern die Arbeit, nein, sie
haben eben die Freude an einer eleganten Vorführung erlernt und
sind es gewohnt, dass ihr Fell öfter mal Bürste und Kamm zu
sehen bekommt.
Von Vorteil ist natürlich schon, wenn der Hundesportler die
Pfoten beim Laufen hoch bekommt und der Schönheitschampion
möglichst nicht aus dem Rassestandard gewachsen ist und sich im
Showring einigermaßen ruhig präsentieren kann.
Aber hier bereits von einer gezüchteten Linie zu sprechen, wäre
wohl etwas übertrieben und würde die Genvielfalt unter uns auch
enorm einschränken. Nö, so weit sind wir noch lange nicht, was
vor Kurzem mein Sportsfreund Yoda auch wieder mal beweisen
sollte.
„Wer eine Schöne haben will muss leiden“, dachte ich genüsslich
(ja und auch total neidisch), als der arbeitseifrige Yoda
„auserwählt“ wurde. Das internationale Topmodel „Acari vom
Zonser Märchenwald“, also sozusagen die Heidi Klum unter den
Gossas, suchte nämlich einen echten Draufgänger der genau das,
was das Wort besagt, tun sollte, um ihr kleine Modelchen oder
halt Sportlerchen zu machen.
Bereits beim Sommerfest des Clubs hatten die beiden
herumgeturtelt und Acari hatte Yoda orakelt, dass es bestimmt
auch im Spätjahr heiße Tage geben wird, an denen sie sich dann
unbedingt wiedersehen müssen.
Ist ja wohl klar, dass Yoda ausnahmsweise mal bei der Begegnung
extra fein aussehen wollte, also seine mittlerweile leicht
bräunliche Nuance wieder sandfarben erstrahlen sollte ( obwohl
er meinte, dass Heidi ja auch mit einem dunklen Mann zusammen
ist. Was aber bei Seal der natürliche Teint ist, ist bei Yoda
natürlich Dreck). Naja egal, auf alle Fälle wurde -die für
lange Zeit verlegte- Profi-Pflegeanleitung für leicht
verwahrloste Catalanen heraus gekramt.
Und da war es auch schon, unser erstes Problem:
Körperbäder sollten lt. Beschreibung bereits in jungen Jahren
geübt werden. Außerdem sollten sie wetterunabhängig sein, damit
wenn Hund stinkt oder verfärbt ist, er gereinigt werden kann.
Solche Übungen unter der Dusche haben Yoda und ich natürlich
gleich mal von Anfang an erfolgreich verhindert. Gejammer und
Gestrampel und gründliches Einsauen des ganzen Badezimmers (hier
hilft kräftiges Schütteln) haben alle guten Vorsätze unserer
Menschen im Keim erstickt. Auch den Gartenschlauch lehnten wir
ab, indem wir mit lautem Geplärre die Nachbarschaft auf eine
mögliche Tierquälerei hinwiesen. Normalerweise beginnt deshalb
unser Frühjahrsputz mit einer Grundwaschung im Badesee. Will
heißen wir werden mit Shampoo eingeschäumt (natürlich
umweltfreundlich, damit die Fische nicht auf dem Rücken
schwimmen) und bei den ersten Sonnenstrahlen in das kühle Nass
gejagt.
Leider war aber mittlerweile November, womit das natürliche
Schaumbad für Yoda flach fiel und eben der Waschlappen herhalten
musste (aber so schlimm muffelte er ja auch noch gar nicht).
„Das Bürsten und Kämmen des Hundes“, so hieß es weiter, „sollte
am besten auf einem Tisch stattfinden, damit der Frisör auch an
alle Stellen gut herankommt“. Entgegen meiner aufgestellten
Regel Nr. 3 (gehe niemals freiwillig auf einen Tisch, außer er
heißt Desk und ist Start- und Zielposition im Quality-Speed-Cup),
wurde Yoda auf den Gartentisch gehoben.
Sein Körper wurde in verschiedene Abschnitte unter-, sein Haar
geteilt und gründlich gebürstet. Geht ja noch, aber dann sollte
der Kamm folgen, der mit leichten Zupfbewegungen die Knoten aus
der Unterwolle lösen sollte (ja unter Narkose ist so einiges
möglich, dachte ich noch). Mir zwar unbegreiflich, aber Yoda
schien den Kamm -völlig ohne Sedativa- zu genießen, sehr
wahrscheinlich ist der Verräter halt doch aus der Showlinie. Die
Pediküre begann mit der Entfilzung der Zehenzwischenräume,
worauf das Krallenschneiden folgte (Mann, sogar das fand der
gut). Danach sollte noch etwas Pflegeöl auf das strapazierte
Fell, aber da legte selbst Yoda ein sportliches Veto ein. Naja
vielleicht beim nächsten Mal, schaden kann es ja nach dem
Rumgezupfe nicht. Last but not least kam dann die sogenannte
„Bikinizone“ dran. Gut, das sind wir beide vor jedem Damenbesuch
auch gewohnt. Zu lange Haare sollten schließlich bei diversen
Aktivitäten nicht stören und sauber sollten sie da zumindest
auch immer sein.
Als Yoda den Tisch verließ, musste selbst ich zugeben, dass aus
dem etwas ungepflegten Malocher, ein einigermaßen ansehnlicher
Gentlekerl geworden war (ob sie mich nimmt, wenn ich mich mal
ordentlich herausputze?). Nun gut von Calvin Klein oder Levis
wäre Yoda wohl nicht gerade gebucht worden, aber Acari wollte ja
auch keine Jeans-Werbung mit ihm, sondern eher selbst von ihm
umworben werden (und das ganz ohne Hose).
Was sie sah und hörte, gefiel ihr wohl (so wie der Heidi halt
der Seal gefällt, nur jault der viel besser, finde ich) und so
ließ sie den Draufgänger richtig schuften. Mal gucken ob die
beiden auch bald eine bunte Vielfalt an Babies vorweisen können.
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